
Es war einmal eine Idee – eine Entstehungsgeschichte von »Geisterfall«
Am Anfang eines jeden Romans steht eine Idee. »Geisterfall« ist über fünf Jahre gewachsen und hat sich stetig verändert. Hier erfährst du, wie Band 1 der »Saat des Paktes«-Reihe entstanden ist!
Lasst mich mit einem kleinen Märchen beginnen:
»Es war einmal eine Saskia. They hatte als Teenager schon zwei längere Romane geschrieben, die irgendwo auf einer Festplatte vor sich hin verschimmeln. Doch im Jahr 2020 war es so weit: Saskia wollte einen Roman schreiben. Während they also darüber nachdenkt, kommt Saskia eine Idee. Nein, es ist keine Idee, sondern nur ein Bild. Aus diesem Bild erwächst eine Idee … und aus dieser Idee ein Roman. Und was macht Saskia nun? Nun, they schreibt Band 1 einer vierbändigen Reihe, die nach der eigentlichen Idee spielt.«
So oder so ähnlich ist die Vorgeschichte von »Geisterfall«. Warum ich diesen Umweg gegangen bin, wollen wir jetzt klären.
Eine kurze Vorgeschichte
Wie ihr schon gemerkt habt: Mir kam zuerst die Idee für das Prequel von »Geisterfall«. Hier hatte ich zunächst das Bild für die Rahmenhandlung des Romans im Kopf. Für mich ist das immer noch ein sehr starkes Bild, zu dem ich noch nicht mehr verraten möchte und zu dem ich irgendwann die Geschichte erzählen will. Was ich schon verraten darf: Dieser Roman würde etwa 1870 spielen.
Damit hätte ich vor sechs Jahren eigentlich einen ganz passablen Startpunkt gehabt – wenn er mir nicht zu kompliziert gewesen wäre. Also habe ich weiter über die Idee nachgedacht, recherchiert und die Welt in meinem Kopf wachsen lassen.
Nun aber zu »Geisterfall« und der eigentlichen Idee!
Das Ganze habe ich so lange wachsen lassen, bis ich die letzte Szene von »Geisterfall« im Kopf hatte. Damit meine ich, dass ich wirklich nur die letzten drei oder vier Seiten bildlich vor mir gesehen habe. Das ist bei mir immer so. Ich sehe zuerst das Ende, und für mich war dieses Bild so einprägsam, dass ich weiter daran arbeiten wollte.
Bei dieser letzten Szene gab es übrigens schon Sai und Yoru.
Figuren, Plot und der ganze Rest
Danach habe ich tatsächlich parallel recherchiert und an der Welt gearbeitet. Mir war von Anfang an klar, welche Themen ich im Roman verarbeiten möchte. Daraufhin habe ich meine Welt konstruiert. Zwischendurch bin ich in mehrere Recherchelöcher gefallen.
Mit den Themen haben sich auch meine Hauptfiguren entwickelt. Sai und Yoru standen, wie ich schon geschrieben habe, von Anfang an fest. Mir war außerdem klar, dass ich einen Text mit Krimielementen schreiben wollte. Dafür brauchte ich Ermittler*innen. Yono ist, wie es ens Charakter entspricht, relativ spontan entstanden, während ich bei Oiwa eine reale Vorlage aus einer Geisterlegende habe, auf die ich mich beziehe. Die Legende um Oiwa ist eine meiner Lieblingsgeistergeschichten.
Für die Konstruktion des Plots hatte ich, wenn ich ehrlich bin, wenig Erfahrung. Deshalb habe ich mir einen groben Plan gemacht, an den ich mich damals gehalten habe und der heute sogar noch weitgehend Bestand hat. Geschrieben habe ich die Geschichte in etwa sechs Monaten im Jahr 2021. Während des Schreibprozesses habe ich mich oft gefragt, ob mein Text zu kurz ist. Heute kann ich darüber nur lachen. Nein, zu kurz ist »Geisterfall« definitiv nicht geworden. Ganz im Gegenteil: Im Lektorat wurden sogar einige Normseiten gekürzt – ich schätze zwischen 30 und 50.
Nach der Rohfassung oder: eine lange Strecke voller Fails
Doch das sollte nicht mein einziger Fail bleiben, über den ich im Nachhinein lachen kann. Allein die Entstehungsgeschichte, dass ich – jung und naiv, wie ich war – dachte, ein Einzelband sei schwerer zu schreiben als eine vierbändige Reihe, ist immer noch lustig. Heute würde ich meinem Ich aus dem Jahr 2020 sagen: »Mach das nicht. Schreib erst mal den einen Band und schau, ob du damit einen Verlag bekommst. Reihen lassen sich von unbekannten Autor*innen relativ schlecht verkaufen.«
Tja … hätte ich diesen Rat mal früher gehabt!
Denn wie ihr euch denken könnt, war die Verlagssuche keine leichte. Eine unbekannter Autor*in, ein unbekanntes Genre, neurodivergentes Schreiben und dann auch noch vier Bände? Das nimmt niemand! Zumindest habe ich das gedacht, bis ich meinen jetzigen Verlag gefunden habe, für den ich wirklich dankbar bin. Trotzdem war die Durststrecke sehr lang, und ich habe oft an mir gezweifelt.
Ein weiterer Fail, an den ich mich gerne erinnere, ist, dass ich mir meinen Weltenbau nicht aufgeschrieben habe. Ja, da habt ihr richtig gehört. Ich hatte mir meinen Weltenbau nicht dokumentiert. Irgendwann im Jahr 2022 kam mir dann die Idee, dass es vielleicht doch sinnvoll wäre, die Eckdaten meiner Welt und meiner Figuren festzuhalten.
Also habe ich in mühevoller Kleinarbeit ein Masterdokument erstellt, das ich »Yokai-Manifest« nenne. Das war ebenfalls ein Arbeitsschritt, den ich mir heute sparen würde.
Was ich mitnehme
Über die Jahre hat »Geisterfall« einige Veränderungen durchgemacht. Der Plot blieb weitgehend gleich, doch die Figuren wurden gemeinsam mit mir diverser. Durch meine Testlesenden und schließlich auch im Lektorat hat sich der Text verändert, verbessert und wurde mal kürzer, mal wieder länger.
Insgesamt bildet »Geisterfall« meinen Wachstumsprozess als Autor*in ab. Dieser Text ist gemeinsam mit mir gereift.
Aus diesem Prozess habe ich gelernt, dass manche Texte – und vielleicht sind es gerade die ersten – ihre Zeit brauchen. Sie müssen manchmal liegen und wachsen. Das nehme ich mit.
Ich nehme außerdem mit, dass es in Ordnung ist, mit einem ungewöhnlichen Text einen ungewöhnlichen Weg zu gehen. Dafür braucht es Durchhaltevermögen, aber manchmal wird es belohnt.
Weiter habe ich gelernt, dass es völlig in Ordnung ist, wenn eine Geschichte und mit ihr die Welt und die Figuren über mehrere Bände wachsen können. So wird sich die Romance-Handlung irgendwann entwickeln, aber das ist in Band 1 noch nicht möglich, da sich die Figuren gerade einmal fünf Tage kennen. Für diese Figuren wäre eine Liebesgeschichte zu diesem Zeitpunkt nicht logisch.
Ähnlich verhält es sich mit der Queerness. Sai kommt aus einem binären System und lernt Queerness erst nach und nach kennen.
Ich mag diese langsame Art der Entwicklung und hoffe, dass sie auch bei den Lesenden Anklang findet.
Meine Inspirationen
Natürlich steht »Geisterfall« nicht losgelöst von anderen Medien. Auch hier hatte ich – mal mehr, mal weniger – verschiedene Inspirationen. Vorweg kann ich sagen, dass Studio Ghibli, dessen Erzählstil und Ästhetik, für mich keine Rolle gespielt haben. Die japanische Kultur – oder auch Popkultur – ist viel breiter als Studio Ghibli, die unter ganz besonderen Bedingungen Filme produzieren können.
Deshalb habe ich verschiedene Inspirationsquellen:
Sehr beeinflusst hat mich beispielsweise »Mononoke«, ein Anime aus dem Jahr 2007 von Kenji Nakamura. Ich kann diesen Anime allen nur ans Herz legen. Ich liebe die Atmosphäre und die Art zu erzählen. Auch der Vorgängeranime »Ayakashi: Japanese Classic Horror« gehört zu meinen Inspirationen. Dort gibt es beispielsweise mehrere Episoden zu Oiwa. Ich hoffe sehr, dass ich einen Teil des Erzählgefühls dieser beiden Anime einfangen konnte. Und wenn nicht, dann gibt es noch ein Projekt in der Schublade, das sich noch stärker daran orientiert.
Ähnlich beeinflusst hat mich auch »Mushishi«, ein Manga von Yuki Urushibara. Hier geht es viel um den Konflikt zwischen Mensch und Natur, der auch in »Geisterfall« immer wichtiger werden wird. Außerdem haben mich »Gin Tama« in Bezug auf die Umsetzung des Settings sowie die »Dandelion Dynasty«-Reihe von Ken Liu und seine Interpretation von Silkpunk stark beeinflusst.

All diese Medien empfehle ich sehr zum Reinschauen, wenn »Geisterfall« für euch spannend klingt.
Außerdem möchte ich euch noch ans Herz legen:

- »Okami«: Action-Adventure-Videospiel von Clover Studio und Capcom, 2006
- »The Sword of Kaigen«: Roman von M. L. Wang, 2019
- »Birth of Kitaro: The Mystery of GeGeGe«: Film von Go Koga, Toei Animation, 2023
- »Demon Slayer: Kimetsu no Yaiba«: Manga von Koyoharu Gotouge, 2016–2020
Ein Blick in die Zukunft
Damit haben wir den Yokaipunk schon von vielen Seiten beleuchtet, und ich möchte mit euch noch einen kurzen Blick in die Zukunft werfen.
Wie schon in meinem Vorstellungsbeitrag zu »Geisterfall« habe ich euch die grobe Timeline des Projekts umrissen. Es werden noch drei weitere Bände folgen. Außerdem wird es zwischen diesen Bänden jeweils eine Novelle zur Überbrückung geben. Ob ich die Novellen selbst veröffentliche oder sie vom Verlag veröffentlicht werden, kann ich euch im Moment noch nicht verraten. Außerdem plane ich, das Prequel, mit dem alles angefangen hat, zu schreiben. Das wäre zumindest mein großer Wunsch. Schließlich ist diese Idee sogar noch älter als »Geisterfall«.
Ein weiterer großer Meilenstein ist das Pen & Paper zu meinen Sammelkarten. Die Planung dafür ist bereits relativ weit fortgeschritten, und ich muss mich eigentlich nur noch hinsetzen und das Regelbuch niederschreiben.Doch weil dieses ganze Projekt ein ständiges Auf und Ab ist, möchte ich zum Schluss noch meinen letzten großen Fail mit euch teilen: Eigentlich sollte man die weiteren Bände einer Reihe schon schreiben, während man einen Verlag sucht – oder zumindest wissen, wie die übergreifende Handlung aussieht.
Könnt ihr raten, was ich nicht gemacht habe?
Genau: Ich muss Band 2 noch schreiben, und die übergreifende Handlung, die bisher nur in meinem Kopf existiert, endlich einmal aufschreiben.
So chaotisch, wie »Geisterfall« angefangen hat, geht es also weiter.
Bleibt gespannt, wie es wird!